Lapislazuli, 2003Neubau der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten Tübingen,
Lapislazuli, roh, ca. 300 kg
Der Rohling eines Lapislazuli im Wert des zur Verfügung stehenden Etats und somit in einer Größe von ca. 100 x 100 x 100 cm oder einem Gewicht von ca. 300 kg wird im Eingangsbereich der Tübinger Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten platziert. Der Lapislazuli ist als Heilstein für diese Erkrankungen bekannt und spielt eine besondere Rolle in der europäischen Medizin- und Kunstgeschichte. Als Voraussetzung für seine medizinische Wirksamkeit wird seit jeher die Reinheit des Minerals erachtet. Inzwischen existiert ein florierender Handel mit solchen möglichst reinen Steinen, von denen sich offenbar eine wachsende Bevölkerungszahl Heilwirkung für alle erdenklichen Gebrechen erhofft.
Der Lapislazuli verdankt seinen Namen seiner tiefblauen Farbe (lat.; pers.-arab.: blauer Stein). Schon in der Antike wurde er als Schmuckstein verwendet, beispielsweise fand man ihn in ägyptischen Pharaonen-Gräbern. Außerdem wurde er wegen seiner Farbe als Stein des Himmels verehrt. Darüber hinaus hat der zum Pigment zerstoßene Lapislazuli als Ultramarin eine Sonderstellung innerhalb der europäischen Kunstgeschichte: Der Stein war wegen seiner Seltenheit und seines langen Importweges aus dem Mittleren Osten sehr teuer. Im Mittelalter war die Verwendung dieser Farbe der Darstellung der höchsten religiösen Sphäre vorbehalten und in der Renaissance vertraglich zwischen Auftraggebern und Künstlern gesondert geregelt: Das Pigment war besonderen Partien im Bild, z. B. dem Mantel der Madonna, vorbehalten (vgl. Michael Baxandall, Die Wirklichkeit der Bilder (1972), Frankfurt/Main 1977, S.17-22).
Im Zusammenhang mit dem seit dem 12. Jahrhundert an Bedeutung zunehmenden Marienkult gewinnt dieses Blau als Farbe der Reinheit eine prominente Rolle. In seiner Größe und Schönheit zieht der Lapislazuli die Blicke der Patienten und Besucher auf sich, und seine intensive Farbe vermittelt ein positives Grundgefühl. Eine beigefügte Tafel informiert über die dem Stein zugeschriebenen Heilkräfte, die mit der Spezifikation der Klinik zusammenhängen.
K. S.